Chronik



769 wurde das Tal von Herzog Tasilo III. aus Bayern dem Stift Innichen geschenkt. Kaiser Otto I. bestätigte diese Schenkung. 788 wird "Valgrata" als Alpe in einer Innichner Urkunde erwähnt. Das Tal war bis 1140 vollständig unbesiedelt und lediglich die von Natur aus waldfreien Blößen - namentlich über der Baumgrenze - dienten den Bauern des Drautales als Sommerweide für das Vieh. Hierauf verweisen die noch vorhandenen rätoromanischen Flurnamen Versellerberg, Sellerlückl, Saller, Volkzein, Volkamsee, Villpone, Gabesitten, Gölbner, Gumriaul, Grumaurer, Glinze, Gliefe usw.

1140 beauftragte der Dekan des Stiftes Innichen seinen Vogt Graf Arnold von Morit-Greifenstein, in seinem Waldgebiet namens "Valgrata" Rodungen vorzunehmen und Bauern des Haupttales dort anzusiedeln. Für dieses kolonisatorische Unternehmen im Villgratental wählte er Interessenten aus den Familien des Haupttales. Die Siedler wurden durch Gratiszuteilungen von Vieh und Getreide dazu ermuntert und anfänglich auch von Abgabeleistungen berfreit. Die Siedler betrieben zunächst ausschließlich Viehwirtschaft. Danach richtete sich die Art des Grundzinses, der aus Tierprodukten wie Käse, Schmalz und Fleisch bestand. Diese Viehhöfe hießen "Schwaigen".

Die ältesten Höfe gehörten einer kirchlichen Grundherrschaft, entweder dem Stift Freising, dem Kloster Innichen oder wie im Falle von Hochwalden den Klarissinnen in Brixen. 1243 wird Hochwalden als erster Hof urkundlich erwähnt, 1254 folgt Perfl. In Hofurkunden von 1350 werden als weitere Höfe genannt: Egart, Oberwortzer, Hirber, Raut, Wasserlechn, Weitlane, Glinze, Pichiler, Chaserwalde und Durach. 1433 werden weitere 17 Hofurkunden angeführt: Ranbach, Hofmann, Breitenbach, Oberegg, Obbrugger, Niederbruggen, Geiregg, Brand, Kalber, Wurze, Mühlmann, Hundhof, Lanze, Heiner, Lungkofel, Lellkofel und Rennlahn.

Die ersten Hofgründe wurden an Stellen gerodet, die klimatisch günstig, sicher vor Naturkatastrophen und nahe bei den Almweiden gelegen waren. Insgesamt wurden 64 Urhöfe angelegt. Nach 1400 wurden Urhöfe geteilt, (Zweiteilung wie Unter- und Oberhochwalden, Dreiteilung wie Unter-, Ober- und Außerbrunn) um mehr Menschen Unterkunft und Einkommen zu ermöglichen. Nur wenige Urhöfe blieben ungeteilt. Mit der Urhöfeteilung setzen auch Hausteilungen ein. Schließlich führte das zur Entstehung neuer Hofweiler. Neben den Hofbesitzern gab es außerdem noch Klein- oder Soldhäusler, die sich im Broterwerb mit Handwerk, Tagwerk und Gewerbe beschäftigten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrug dieser nichtbäuerliche Bevölkerungsanteil an die zehn Prozent.

Die Bauernhöfe gehörten einem weltlichen oder geistlichen Grundherrn - einem Kloster, einer Kirche, einem Grafen, Baron oder Freiherrn. Die Bauern hatten zwar ihren Hof ein Leben lang in Pacht und konnten ihn mit grundherrlicher Erlaubnis vererben oder verkaufen, aber sie hatten infolge des hier geltenden Freistiftrechtes alljährlich drückende Abgaben in Naturalien und Geld zu zahlen und Dienste zu leisten.

Im Jahre 1545 zählte Außervillgraten 90 Bauern, davon 38 mit einem ungeteilten Urhof; 1628 waren es 99; 2001 insgesamt 88 bewirtschaftete Bauernhöfe.

Das Gesicht des ursprünglich reinen Bergbauerndorfes hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. 1962 setzte ein intensives Bemühen um die Höfeerschließung ein. Inzwischen sind nicht nur alle Höfe erschlossen, sondern ebenso ca. ¾ der gesamten Waldfläche. Die Zahl der Vollerwerbsbauern ging deutlich zurück, der Trend zum Nebenerwerbsbauern hält an.

Wegen der zu harten Frondienste, Missjahre, anderer Katastrophen und Übervölkerung wanderten im 15. Jahrhundert an die 300 Außervillgrater nach Sappada (ehemals Bladen) im oberen Piavetal aus. Dort lebt heute noch eine deutschsprachige Bevölkerung mit der Mundart des oberen Pustertales.

Im Jahr 1678 zählte Außervillgraten 855 Einwohner, 1991 waren es 1026 Einwohner. Heute häufig auftretende Familiennamen sind Bachlechner, Bergmann, Leiter, Mühlmann, Ortner, Perfler, Schett, Walder und Weitlaner.


Besonderheiten und Katastrophen

- 1827 wurde die erste Güterseilbahn Tirols vom Villgrater Pirgler Michael gebaut.
- 1927 kam erstmals elektrisches Licht in Dorf und Kirche.


Blatternepidemie
1735 mit 52 Toten, davon 40 Kinder
1799 starben 28 Kinder
1802 starben 21 Kinder

Lungenentzündung
1870 mit 45 Todesfällen

Grippeepidemie
1920 mit 19 Grippetoten

Hafermisswuchs
Im 3. Quartal des 18. Jh. in Unterwalden. Betroffene gelobten den Kreuzgang nach St. Radegund bei Maria Luggau, der Ende des 19. Jh. in den Bittgang nach Kalkstein umgewandelt wurde.

Hungersnot
1816 besonderes Missjahr

Hagelschlag
1817, 1823, 1832, 1836 und 1841 bringt Hungersnot und macht auswärtige Sammlungen notwendig

Brände
1858 Waldbrand im Glinzwaldweg, 19 Hausbrände (zuletzt am 13. März 1998 „Hochfeichtl“).

Kriegsopfer
1. Weltkrieg: 35 Kriegsopfer,
2. Weltkrieg: 34 Gefallene und 16 Vermisste

Hochwasser
1757, 1882 und 1965/66. Beim letzten Hochwasser wurde ein Haus weggerissen, einige wurden beschädigt, 22 zur Evakuierung vorbereitet. 22-mal wurde die Landesstraße unterbrochen, sämtliche Sägewerke und Mühlen im Talboden wurden außer Betrieb gesetzt. Die Versorgung der Bevölkerung erfolgte mit Hubschraubern.

 


 

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